Was macht Human Power auf dem Wasser?

Ein kurzer Überblick s/w

Artikel für die "Info Bull", Vereinszeitschrift des HPV Deutschland e.V. und des Future Bike Schweiz

 

Schnell will man sein, bequem sitzen und ruhig die Natur genießen, ohne Motorenlärm und Gestank: Das ist auf dem Land der Sinn des Liegerads. Zu manchen ganz besonders schönen Stellen kommt man allerdings am besten übers Wasser. Was liegt näher, als sich ein HPV zu Wasser, ein Human Powered Boat (HPB) anzuschaffen, um alle obigen Vorteile zu genießen?

 

Zum HPB umgebautes Auto mit Schlafgelegenheit (Yvan Desingly, St. Ménéhould): Stahl/GfK, Propeller

 

Früher, bevor man von den HPB wußte, früher mußte man sich mit Konstruktionen wie dem Kanu oder Paddelboot, dem Schlauchboot oder Ruderboot auf dem Wasser bewegen. Aber dann stört doch entweder die einseitige Belastung oder das langsame Boot, immer nur rückwärts zu sehen oder die Tatsache, daß man keine Hand frei hat für das Picknick und den Schatz an seiner Seite...

 

Das Tretboot ist die Lösung! Voll Power über die Beine, die Hände frei, nebeneinandersitzen und die Hände frei, Platz an Bord für allen möglichen Krempel und superbequem. Aber wer schon mal ein solches Monster gemietet hat, kennt das Problem: nach einer halben Stunde Ackern ist der Tretbootverleiher immer noch in Rufweite, und es wird schon wieder Zeit umzudrehen... So soll es nicht sein.

 

Was unterscheidet Human Powered Boats davon? HPBs sind keine klassischen Tretboote. Es handelt sich meist um leichte und um ein Vielfaches schnellere Konstruktionen mit modernen Materialien, schnittigen Formen und innovativen Antrieben. Es gibt ein buntes Spektrum von Einzelbauten und inzwischen auch einige Serienboote, deren Preise zwischen 4.000 und 8.000 DM liegen.

 

Badespaß: Argo (Uni Duisburg): Holz, Schaufelräder

 

Die Unikate sind oft nicht so sehr für die gemütlicheren Wochenenden gebaut, sondern sollen das technisch Bestmögliche erproben. Dabei entstehen ungewöhnliche Konzepte.

 

Nederwood (Uni Delft): Holz, Propeller

 

Unterschiedliche Philosophien wie Schaufelrad oder Propeller (d.h. Schiffsschraube), Ein- oder Mehrrumpfboot, Liege- oder aufrechte Position werden erprobt.

 

Tourenboote: Maria Gloria (Tyson Rigg, Henley-on-Thames), GfK, Propeller; Surfboard (Paolo Lacrimini, Arrezzo): PU, Schaufelrad

 

Offene Europa- und Weltmeisterschaften bieten alljährlich neben einigen spezielleren Veranstaltungen den Rahmen für den direkten Vergleich und den Austausch von Erfahrungen. Hierbei kann jeder teilnehmen, egal wie sein Boot aussieht oder funktioniert. Lediglich der Antrieb mit den Beinen ist vorgeschrieben, jede gespeicherte Energie ist verboten. Es geht aber nicht nur um Geschwindigkeit, in manchen Disziplinen ist statt dessen Geschicklichkeit oder Ausdauer gefragt.

 

Springboat (Jelle Andriesse, NL) und Tiger Duck (FH Flensburg), beide Holz/Klappflügel, beim Transport eines überdimensionalen holländischen Käse

 

Tragflächenboote heben sich mit dem Rumpf bei höheren Geschwindigkeiten aus dem Wasser und gleiten nur noch auf einem knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Flügel. Dadurch verringert sich die Reibung, die die Rümpfe im Wasser verursachen. Das Potential für enorme Geschwindigkeiten ist dadurch gegeben. Das erste funktionierende Tragflächen-HPB in Europa war 1989 die schwedische Af Chapman II aus Göteborg, die jetzt noch auf den Meisterschaften faszinierende Flugszenen darbietet. Neue, modernere Tragflächenboote wie von Jochen Ewert aus München oder Christian Meyer aus Berlin sind inzwischen meist schneller.

 

Flugshow: Af Chapman II (Uni Göteborg), Holz/GfK/Propeller, Handsteuerung mit Höhen-, Seiten- und Querruder und Haarlem Shuffle (FH Haarlem), GfK/Propeller, Automatische Höhensteuerung

 

Die nächste Gelegenheit, sich Human Powered Boats anzuschauen, bietet sich auf im Juni: Im Rahmen der Weltmeisterschaft der Human Powered Vehicles (Liegeräder u.a.) findet die diesjährige Weltmeisterschaft der Boote statt. Hier der Termin:

 

WM HPB 21.-23. Juni 2013 in Leer/Ostfriesland, mitten in der Stadt im Hafen

 

Kontakt/Anmeldung/Infos gibt es auf waterbiking.org, bei Andreas Schlief, Osterstr.9, 20259 Hamburg oder einfach unter andreas.schlief(aett)hpv. org.

 

 

Fotos: Renata Kinz, Ferdinand v. Westphalen